![]() ViskositätDie Viskosität oder Zähigkeit stellt die wichtigste Eigenschaft dar, da sie für den Herstellungs- und Verarbeitungsprozess von Gläsern von größter Bedeutung ist. Die Viskosität ist eine temperaturabhängige Größe, die von der Bewegungsmöglichkeit der Strukturteilchen des betreffenden Stoffes bestimmt wird. Die bei einer derartigen Bewegung von Teilchen zu überwindenden Kräfte sind Reibungskräfte. Deshalb wird die Zähigkeit auch als innere Reibung bezeichnet. Die Bewegung einzelner Teilchen oder Bauelemente wird ermöglicht durch eine Sprengung von Bindungen. Die hierzu notwendigen Energien werden beim Schmelzprozess durch thermische Energien aufgebracht. Wird die Temperatur stetig gesteigert, erhöht sich die Zahl aufgerissener Bindungen und die Viskosität verringert sich. Beim Abkühlen einer Schmelze schließen sich Bindungen, wodurch die Viskosität ansteigt. Die (dynamische) Viskosität wird mit eta bezeichnet und stellt die Kraft dar, die nötig ist, um zwei parallele Flächen in einem bestimmten Abstand mit einer bestimmten Geschwindigkeit zu verschieben. Wird die Viskosität auf die Dichte bezogen, spricht man von der kinematischen Viskosität. Es ist jedoch für eine Glasproduktion und Glasverarbeitung unbedingt notwendig, über den gesamten Temperatur- und Viskositätsbereich, der bei einer Glasherstellung durchlaufen wird, entsprechende Bezugs- oder Fixpunkte zur Verfügung zu haben. Ohne sie kommt man nicht aus. Diese festgelegten Fixpunkte leiten sich von bestimmten Stufen der Glasproduktion ab und dienen vorrangig der Ermittlung der für diese Produktionsstufen günstigsten Viskositätswerte des Glases. Des weiteren existieren empirisch ermittelte Kennzahlen, die in der Praxis Anwendung finden, da diese die Einstellung der Produktionsmaschinen betreffen. Da sich die Viskosität des Glases um mehr als 13 Zehnerpotenzen ändert, muss man den Logarithmus der Viskosität in Abhängigkeit von der Temperatur auftragen. Verläuft die Viskositätskurve von 103 bis 106 dPa s steil, so liegen die Temperaturen für die entsprechenden Viskositäten verhältnismäßig nahe beieinander, d.h. der Temperaturbereich für die Verarbeitung des Glases ist kurz. Der Glasmacher nennt ein solches Glas kurz, im umgekehrten Falle spricht er von einem langen Glas. Die Größe dieses Temperaturbereiches wird als die Länge des Glases bezeichnet. |